Die Entwicklung rund um KI schreitet rasant voran. Genau darüber sprach Michael kürzlich in einem Vortrag. Dabei ging es nicht nur um neue Möglichkeiten und den Einfluss auf unsere tägliche Arbeit, sondern auch um die weniger sichtbare Seite der KI.
Denn hinter jedem Text, jedem Bild und jedem Video stehen Rechenzentren, Strom und Kühlung. Grund genug, etwas genauer hinzuschauen.
KI gehört bei uns längst zum Arbeitsalltag. Sie hilft beim Programmieren, Testen, Planen und beim Erstellen erster Entwürfe. Vieles geht dadurch schneller und manche Lösung wird plötzlich möglich, die vor wenigen Jahren noch deutlich mehr Zeit und Budget gebraucht hätte.
Bei aller Begeisterung sollten wir aber auch darüber sprechen, was diese Entwicklung für unsere Umwelt bedeutet.
Text, Bild oder Video macht einen grossen Unterschied
Nicht jede KI-Anwendung benötigt gleich viele Ressourcen. Ein kurzer Text-Prompt fällt vergleichsweise wenig ins Gewicht. Bei Bildern und besonders bei Videos sieht es deutlich anders aus.
Ein KI-generiertes Bild verbraucht ungefähr 112-mal so viel Wasser und rund 12-mal so viel Energie wie ein Text-Prompt.
Bei einem aufwendigen Video steigt der Verbrauch nochmals massiv. Im Vergleich zu einem Text-Prompt braucht es rund 15’800-mal so viel Wasser und etwa 1’750-mal so viel Energie.
Natürlich sind solche Zahlen immer nur Richtwerte. Der tatsächliche Verbrauch hängt vom Modell, dem Rechenzentrum und der verwendeten Kühlung ab. Trotzdem zeigen sie ziemlich deutlich, dass es einen Unterschied macht, wofür wir KI einsetzen.

Der Energiebedarf wächst
Rechenzentren verbrauchten 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom. Das entspricht etwa 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. Bis 2030 könnte sich dieser Wert mehr als verdoppeln.
Das liegt nicht mehr nur am Training grosser KI-Modelle. Immer mehr Energie braucht inzwischen deren tägliche Nutzung. Gerade Bild- und Videogenerierung sowie die wachsende Zahl an Nutzerinnen und Nutzern treiben den Verbrauch nach oben.
Die einzelnen Systeme werden zwar laufend effizienter. Gleichzeitig nutzen wir sie aber auch häufiger. Ein bisschen wie bei einem schnelleren Internetanschluss. Kaum ist mehr Leistung vorhanden, finden wir ziemlich zuverlässig neue Wege, sie auch zu brauchen.
Auch Wasser spielt eine Rolle
Server erzeugen viel Wärme und müssen gekühlt werden. Einige Rechenzentren nutzen dafür Verdunstungskühlung und benötigen entsprechend Wasser. Neuere Anlagen arbeiten vermehrt mit geschlossenen Kühlkreisläufen, die den direkten Wasserverbrauch stark reduzieren. Doch auch dann bleibt die Wärme. Und genau hier liegt eine grosse Chance.
Wenn Server Wohnungen heizen
Die Abwärme eines Rechenzentrums muss nicht einfach ungenutzt an die Umgebung abgegeben werden. Sie kann aufbereitet und in ein Fernwärmenetz eingespeist werden.
Wie das funktionieren kann, zeigt Infomaniak in Genf. Das neue Rechenzentrum gewinnt die Wärme seiner Server zurück und speist sie in das lokale Fernwärmenetz ein. Bei voller Leistung soll die Anlage genügend Wärme für bis zu 6’000 Haushalte liefern.
Der Stromverbrauch verschwindet dadurch natürlich nicht. Die eingesetzte Energie erhält aber einen zweiten Nutzen. Die Server werden gekühlt und gleichzeitig Wohnungen beheizt.
Damit solche Lösungen funktionieren, braucht es ein passendes Fernwärmenetz in der Nähe. Deshalb muss die Nutzung der Abwärme möglichst früh bei der Planung neuer Rechenzentren berücksichtigt werden.
KI bewusst einsetzen
Wir sehen in KI sehr viele Chancen und nutzen sie selbst täglich. Gleichzeitig gehört für uns auch die kritische Auseinandersetzung dazu.
Braucht es für diese Aufgabe wirklich ein Video? Reicht vielleicht ein Bild oder sogar ein Text? Wie betreibt ein Anbieter seine Rechenzentren? Woher kommt der Strom und was passiert mit der Abwärme?
Wir werden nicht auf KI verzichten. Aber wir können bewusster entscheiden, wie wir sie nutzen und welche Infrastruktur wir damit unterstützen.
Denn technologischer Fortschritt und Verantwortung sollten zusammengehören. Auch wenn es etwas komplizierter ist als ein kurzer Prompt.